Enukleation Ja / Nein ???

Die OP und das Leben mit einer Augenprothese.
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Bits&Bytes
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Re: Enukleation Ja / Nein ???

Beitrag von Bits&Bytes » Mo 18. Sep 2017, 21:48

Hallo Marcy,

vermutlich hast Du da den, oder einen Punkt getroffen. Im losteye-Forum lese ich wie schwierig es für viele ist sich auf das einäugige Sehen einzustellen, ist ja eine Adaption des Gehirns, die erstmal gelernt sein will, aber jetzt wenn ich darüber nachdenke, willst Du wohl was anderes sagen.... ?

Dadurch, das das Auge schon so lange blind war, war es praktisch nur ein Austausch eines nutzlosen Organs durch eine Prothese. An der visuellen/optischen Wahrnehmung meiner Umwelt, hat sich ja nichts geändert.

Komisch, fällt mir jetzt gerade wieder ein. ich war mir igendwann auch nicht mehr sicher, ob sich das blinde Auge überhaupt noch synchron mitbewegt. Hört sich jetzt seltsam an, aber ich habe sogar mal Freunde danach gefragt, ob dem noch so ist. Gut hätte ich auch mit Video-Selfie selbst herauskriegen können. :lol:

Für mich persönlich ist es wirklich, einzig die nicht mehr vollständige Beweglichkeit des Prothesenauges, über die ich hin und wieder nachdenke. Das neue Auge passt für mich genauso ins Gesicht, wie das alte, sicher für einige schwer nachzuvolliehen, ist aber so.

Viele Grüße

Udo


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Re: Enukleation Ja / Nein ???

Beitrag von Marcy » Di 19. Sep 2017, 12:09

Hallo Udo,

doch, genau das wollte ich sagen. Dass es wahrscheinlich eine ziemliche Umstellung ist, nur noch ein sehendes Auge zu haben. (ich kann mich nicht mehr daran erinnern, wie das ist, mit zwei Augen [wenn auch wenig] zu sehen.)
Wenn diese "Eingewöhnungsphase" weg fällt, wirkt man vermutlich sicherer auf sein Umfeld und dann fällt auch die Prothese nicht sofort auf.

Das mit der Beweglichkeit scheint für euch, die noch ein einigermaßen sehendes Auge haben, ein viel größeres Thema zu sein als für mich.
Weil ich diesen starken Nystagmus habe, bin ich mit Prothese "besser dran" als mit dem vollblinden Auge. Da hatte ich keine Kontrolle über die Bewegungen, heißt, es kam vor, dass beide Augen in völlig unterschiedliche Richtungen geschaut haben. Die Prothese bewegt sich zwar nicht bis in den äußersten Augenwinkel mit, aber immerhin in dieselbe Richtung. So ist es für andere weniger auffällig als mit dem echten Auge.

Aber du hast offensichtlich meine Suche nach Worten zwischen den Zeilen gelesen, Udo. Es gibt da noch einen Gedanken, den ich noch nicht so richrig in vernünftige Worte fassen kann.

Liebe Grüße
Marcy



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Re: Enukleation Ja / Nein ???

Beitrag von Bits&Bytes » Di 19. Sep 2017, 13:20

Marcy hat geschrieben:
Mo 18. Sep 2017, 10:38

Wenn man schon lange auf dem einen Auge blind gewesen ist, ist eine Prothese nicht so eine krasse Veränderung. So ist es auch leichter, das anzunehmen.

Liebe Grüße
Marcy
Hallo Marcy,

hab das gerade noch einmal gelesen und erkenne jetzt (erst) was Du wohl genau damit meinst.

Denke, da hast Du absolut recht, viele, wenn nicht sogar alle hier hatten vor der Augenamputation (hab ein neues Wort gelernt, statt immer wieder Enukleation überzustrapazieren :lol: ) entweder ein eingeschränktes Sehvermögen, oder sogar noch den vollen Visus auf dem Auge.

Habe also praktisch wirklich nur das schmerzende, blinde Auge durch ein Kunstauge ersetzen lassen und wusste auch das es igendwann so kommen würde, denn alle AÄ hatten mich darauf vorbereitet, dass die Schmerzen irgendwann kommen und dann chronisch werden würden. Gut Hoffnung, das es nicht so kommt hat man natürlich so lange noch, bis dann endgültig die Faken geschaffen sind :( :)

Mit dem Bedürfnis nach einer möglichst großen Beweglichkeit des Pothesenauges ist es wohl auch sehr individiuell und differenziert zu sehen. Olga scheint da sehr entspannt zu sein, Patient81 eher weniger und ich würde mich da im Mittelfeld ansiedeln. 8-)

Viele Grüße

Udo


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Re: Enukleation Ja / Nein ???

Beitrag von Patient81 » Di 19. Sep 2017, 16:14

[/quote]
Mit dem Bedürfnis nach einer möglichst großen Beweglichkeit des Pothesenauges ist es wohl auch sehr individiuell und differenziert zu sehen. Olga scheint da sehr entspannt zu sein, Patient81 eher weniger und ich würde mich da im Mittelfeld ansiedeln. 8-)
[/quote]



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Re: Enukleation Ja / Nein ???

Beitrag von Patient81 » Di 19. Sep 2017, 16:14

Patient81 hat geschrieben:
Di 19. Sep 2017, 16:14

Mit dem Bedürfnis nach einer möglichst großen Beweglichkeit des Pothesenauges ist es wohl auch sehr individiuell und differenziert zu sehen. Olga scheint da sehr entspannt zu sein, Patient81 eher weniger und ich würde mich da im Mittelfeld ansiedeln. 8-)

@Udo
Das muss ich bisschen revidieren, lieber Udo. Also bin auch relativ entspannt, aber es liegt allgemein an meiner Person, dass ich gerne optimieren möchte. Natürlich war es am Anfang nicht so einfach für mich, aber nach ca. 14 Jahren habe ich da längst meinen Frieden mit geschlossen und bin entsprechend lockerer geworden. Es ist halt für jeden ein Prozess.

Ich weiss, weil ich sehr kritisch bzw. pragmatisch manche Dinge betrachte, kann es anders wahrgenommen werden, sodass ich unzufriedener wirke als ich bin. :)



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Re: Enukleation Ja / Nein ???

Beitrag von Bits&Bytes » Mi 20. Sep 2017, 05:25

Hi Patient81,

jepp, jetzt hab ich's begriffen. Kam für mich aus einigen Deiner Beiträge anders rüber, wollte Dir da nichts unterstellen.

Ist/wäre ja auch ein verständlicher Wunsch....

Ich denke mal keiner von uns würde sich sträuben eine größere Beweglichkeit zu akzeptieren, wenn die zum Nulltarif zu haben wäre, soll heissen, ohne neue, evtl. gefährliche Eingriffe :mrgreen:

Hab ihm losteye-Forum einige Berichte von Leuten gelesen, die sich einen peg (Stift) in die Prothese haben einsetzen lassen. Die Chancen stehen fifty-fifty, dass sich alles entzündet und am Ende gar das Implantat raus muss, hab das aber hinsichtlich der Erfolgsaussichten nicht näher studiert, da es auch für mich nicht in Frage käme.

Bis dann

Udo


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Re: Enukleation Ja / Nein ???

Beitrag von Patient81 » Do 28. Sep 2017, 12:59

Hallo Martin,

in Bezugnahme zu deiner persönlichen Situation möchte ich mal eine Anregung in den Raum werfen. Vielleicht interessiert es dich.

Ich habe zufällig über eine Person gelesen, die auch Öffentlichkeitsarbeit betreibt und selber Augenprothesenträgerin ist.
Denke, den Namen zu nennen, ist daher auch nicht verboten, da sie im Internet sehr präsent ist und ihre Identität auch preisgibt-Elisabeth Maria PUTZ ist ihr Name und sie hat auch eine eigene Hompage. Das war eine Eingebung meinerseits. Habe gedacht, vielleicht kann es dich zusätzlich motivieren, alleine wie sie damit umgeht etc.

PS: Sie ist auch aus Österreich, du ja auch.


Schönen Gruß

Patient81



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Re: Enukleation Ja / Nein ???

Beitrag von Ösi » Di 3. Okt 2017, 10:46

Hallo Leute, ;)

Mal ein kurzes Update - war ja offline. :o

Ich hatte ja den Termin beim AA - das Gespräch ist gar nicht mal so schlecht gelaufen. Allerdings bei der Untersuchung hat sich herausgestellt das der Hr. Prim. ein Problem damit hat, mir das Auge zu entfernen. Grund: HBW - ich sehe Handbewegungen. Zwar unscharf aber doch. Des Weiteren vermutete er eine Konservierungsmittelunverträglichkeit. Daher möchte er die Entfernung noch nicht durchführen sondern noch ein wenig zu warten. Nächsten Termin habe ich am 17.10.
Daher haben wir mal vereinbart die Medikamente auf Konservierungsmittelfreie umzustellen. Bislang scheint es ein gutes Konzept zu sein, da ich tatsächlich weniger bis seltener Schmerzen empfinde. Ob es wirklich an den Med. liegt oder einfach nur das es jetzt kühler geworden ist, wird sich zeigen. Vermutlich werde ich aber trotzdem zumindest eine Ammniontrans bekommen da die Hornhaut von Dellen und Kratern nur so besät ist und aussieht wie eine Mondlandschaft. :D :lol: :D :lol:

Ob ich mich letztendlich für eine oder gegen eine Entfernung entscheide wird sich noch weisen.

@Patient: Danke für den Tipp - werd ich mal raussuchen.
Meinst du die ?? http://elisabeth-putz.com/impressum.html

LG


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Re: Enukleation Ja / Nein ???

Beitrag von Bits&Bytes » Di 3. Okt 2017, 11:13

Hi Patient81, hi Martin,

ja, die gute Frau Putz war auch für mich eine der ersten Personen, die mir bei der Google-Suche nach Augenentfernung als Beitragsverfasserin angezeigt wurde.

Fand ihre Ausführungen damals ziemlich gut. Hab's mir jetzt noch mal durchgelesen und frage mich jetzt auch
so langsam, ob nicht auch für mich die sogenannte retrobulbäre Alkoholinjektion, da Auge ja blind war, eine Möglichkeit gewesen wäre, die Enu zu umgehen. Hab ich damals wohl irgendwie überlesen, oder den Zusammenhang nicht begriffen.

Guckst Du hier:
https://www.karger.com/Article/Pdf/296019
http://www.egms.de/static/de/meetings/s ... ag49.shtml

Hab aber auch das gefunden, wobei man nicht weiss, wie es ausgegangen ist.

https://www.glaukom-forum.net/wbb3forum ... ndem-auge/

Auf losteye.com schreibt ein "Dr. Slonim" dazu:
"alcohol and/or thorazine injections behind the eye (retrobulbar injections) are given to alleviate chronic pain in patients with blind eyes and, rarely, in patients with minimal vision AND intractable eye pain before evisceration or enucleation surgeries to reduce the pain and still keep the eye. in those patients who still have a minimally-sighted eye, these injections frequently "snuff out" the remaining sight. in the scenario that you describe, i believe that you would find it extremely difficult, if not impossible, to find an ophthalmologist who would be willing to perform one of these injections just to remove what little sight you have left in you left eye. "snipping the optic nerve" would not be an option unless the meningioma was involving the nerve and required removal. good luck."

Übersetzt (frei):
"Alkohol und/oder Thorazin Injektionen hinter das Auge (retrobuläre Injektionen) werden verabreicht um bei Patienten mit blinden Augen und selten bei solchen mit minimalem Visus UND hartnäckigen Augenschmerzen, die chronischen Schmerzen zu lindern, vor Eviszerations- oder Enukleationsoperationen, eben um die Schmerzen zu stillen und das Auge zu behalten.
Bei den Patienten, die noch ein Auge mit minimalem Visus haben, löschen diese Injektionen oft die Restsicht aus.
In dem Szenario, dass du beschreibst, denke ich wird es extrem schwierig für dich sein einen Ophthalmologen zu finden, der willens wäre eine dieser Spritzen zu setzen, nur um auch das noch zu entfernen, was du an Restsicht im linken Auge übrig hast.
Den Sehnerv zu kappen wäre keine Option, es sei denn das Meningeom würde den Nerv mit einbeziehen und Entfernung erforden.
Alles Gute."

Allen einen schönen Feiertag.

Udo
Zuletzt geändert von Bits&Bytes am Di 3. Okt 2017, 11:29, insgesamt 2-mal geändert.


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Re: Enukleation Ja / Nein ???

Beitrag von Bits&Bytes » Di 3. Okt 2017, 11:27

Hallo Martin,

ich antworte mal für Patient81. Er meinte wohl diese Seite: http://elisabeth-putz.com/wellness/augentfernung.html

Freut mich für Dich, das die Schmerzen zur Zeit erträglich sind und wenn Du Frau Putz gelesen hast ....

Wer weiss, sie ist sehr rigide und kategorisch in Ihren Ansichten zur Augenentfernung.

Alles Gute

Udo


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Re: Enukleation Ja / Nein ???

Beitrag von Patient81 » Do 5. Okt 2017, 00:15

Nabend Udo,

danke für die interessanten Links. Hat mich im Nachhinein auch interessiert. Ja, auch die vermutete Seite der Dame war richtig, so meinte ich das auch. :)

Nabend Martin,

ja, hört sich doch super an. Drücke dir dann mal die Daumen. Man liest deine gute Stimmung über die Vorgehensweise des Doktors sogar aus deinem Kommentar heraus, so zumindest mein Eindruck. :)


Schönen Abend an alle :D

Patient81



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Re: Enukleation Ja / Nein ???

Beitrag von Marcy » Sa 7. Okt 2017, 15:28

Hallo,

hier gehen ja wieder einige interessante Dinge ab, wenn man ein paar Tage nicht da ist ;-).

Retrobulbäre Alkoholinjektion... so hieß das also. Da hätte ich vor der Enu auch fast mit zu tun gehabt.
Ich weiß nicht, ob ich das bei meiner Geschichte mal irgendwo geschrieben hab.

Ich war ja vor der Enu in verschiedenen Kliniken, die erste Ärztin sagte mir sehr deutlich: "Das Auge schrumpft, ist so, kann man eigentlich nur noch entfernen", ich könne mich jederzeit zur OP-Terminvereinbarung melden.

Da ich da noch nicht volljährig war, musste ich das Thema mit meinen Eltern ausdiskutieren, für die diese klare Meinung schlimmer war als für mich.

Also Zweitmeinung in anderer Klinik eingeholt: Da wurde mir nach der Untersuchung, bei der man angeblich nichts ungewöhnliches feststellen konnte, unterstellt, ich würde simulieren, beziehungsweise der Schmerz sei eine psychosomatische Reaktion.

Um das abzuklären hatte ich dann in dieser Klinik einen Termin zur stat. Aufnahme, bei der dann das Auge betäubt wurde. Diese Injektion enthielt das Medikament, das auch bei Operationen mit lokaler Betäubung zum Einsatz kommt. Die Wirkung lässt je nach Dosierung nach etwa einer Stunde nach.

Nach diesem kleinen Eingriff hatte ich zwar keine Schmerzen, aber es war nicht nur das Auge, sondern die gesamte rechte Gesichtshälfte betäubt.

Damit war die "Psycho-Theorie" wiederlegt und deshalb kam auch die Idee mit der Alkoholinjektion.
Das hatte ich aber nicht weiter verfolgt, weil mir verschiedene Fragen nicht beantwortet werden konnten (oder wollten).

Die wichtigste Frage für mich war, ob bei der Alkoholinjektion dann auch mehr als nur das Auge betäubt wäre.
Bei der Schilderung im verlinkten Beitrag schien das ja aber nicht der Fall gewesen zu sein.

Im Nachhinein bin ich aber froh, dass ich diese Alkoholinjektion nicht machen lassen hab.

So, jetzt hab ich mal wieder in einem viel zu langen Beitrag meine Erfahrung und Gedanken dazu mitgeteilt... ich hoffe, es ist (oder war) einigermaßen lesbar.

Liebe Grüße
Marcy



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Re: Enukleation Ja / Nein ???

Beitrag von Bits&Bytes » So 8. Okt 2017, 16:01

Hallo Marcy,

ja, ich glaub selbst wenn mir mein Operateur diese Möglichkeit der (zeitweiligen) Schmerzausschaltung durch die Alkoholinjektion offeriert hätte, wäre mein Reaktion auch eher ablehnend gewesen, denn der Nachteil ist eben das der Schmerz dadurch nicht dauerhaft ausgeschaltet wird.

Irgenwann kommt er wieder, dann kann man sich zwar erneut eine Spritze setzen lassen, aber auch dabei kann etwas schief gehen und am Ende bleibt doch nur die Enu.

OK, keine Ahnung, vielleicht wenn ich jünger gewesen wäre, z. B. im Alter von Pateint81, hätte ich das dann doch als Option angesehen, zumindest bis nichts mehr an der Augenentfernung vorbeigeführt hätte, immer vorausgesetzt das Auge wäre dabei nicht vorher geschrumpft.

Viele Grüße

Udo


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Re: Enukleation Ja / Nein ???

Beitrag von Ösi » Mo 16. Okt 2017, 10:02

Guten Morgen Jungs und Mädl´s,

Also die Alkohlinjekt kommt bei mir auch nicht in Frage. Hat mir mein Arzt auch nicht empfohlen.
Wenn bei mir was gemacht werden müsste, empfiehlt er mir - hab grad den med. Ausdruck nicht im Kopf - die Aushöhlung des Augapfels, das Restliche Gewebe zusammenzuklappen und darüber das künstliche Auge. Ein Implantat wäre zwar möglich würde er mir aber weniger empfehlen, da dieses "durchbrechen" könnte. Aber noch ist es nicht soweit.
Meine Hoffnung das ich noch einige Zeit darüber hinwegkomme schwindet allerdings............
Update: Neuerliche Verletzung am reparierten Auge --> erosio corneae. Anscheinend ist es mir nicht vergönnt schmerzfrei zu leben.
Aber dem schlag ich ein Schnippchen :lol: :D Ich hab schon einiges ausgehalten und werde auch das wieder überstehen.

LG und allen alles Gute


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Re: Enukleation Ja / Nein ???

Beitrag von Bits&Bytes » Mo 16. Okt 2017, 23:11

Hallo Martin,

wieder einen medizinischen Fachbegriff gelernt:

"Hornhauterosion (Erosio corneae): Verletzung der Hornhaut z. B. durch einen Splitter, Fingernagel oder Zweig. Die Verletzung der Hornhautoberfläche durch UV-Strahlen wird als Verblitzung (Keratitis photoelectrica, Photokeratitis) bezeichnet. Umgangssprachlich wird die Verblitzung auch als "Schneeblindheit" bezeichnet. Eine Blindheit im eigentliche Sinne liegt dabei jedoch nicht vor."
Quelle: http://www.apotheken.de/gesundheit-heut ... rblitzung/

Du meinst als Option zur Entfernung des Augapfels (Enukleation) bestimmt die Eviszeration, dass ist die Entfernung des Augeninhalts unter Belassung der Hornhaut und der Sklera und natürlich der Augenmuskeln.

Wird in DE eher seltener gemacht, in den USA jedenfalls nach allem was ich so lese, eher öfter als eine Enu.

Du musst innerlich bereits sein für so eine Massnahme und das ist man, jedenfalls nach meiner Erfahrung nur dann, wenn der Leidensdruck das erträgliche Mass übersteigt und dies ist dann auch wider von Mensch zu Mensch differenziert zu sehen.

Alles Gute

Udo


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Re: Enukleation Ja / Nein ???

Beitrag von Ösi » Di 17. Okt 2017, 10:54

Hallo Udo,

Freut mich wenn ich dir einen neuen Begriff unterbreiten konnte :D Auch Hornhautabschürfung genannt. Und wie ich sehe hast du dich auch gleich darüber informiert. Wundert mich ehrlich gesagt das der Begriff hier neu ist ;) Naja, ein Sprichwort sagt: wirst du alt wie eine Kuh, lernst du immer noch dazu. Die Palette der Verletzungsmöglichkeiten ist da seehr groß. Eine Hornhautabschürfung ist allerdings normalerweise nicht so tragisch da meist hierbei in der Regel nur das obere Epidel verletzt wird (die HH besteht ja soweit ich mich erinnere aus 5 Schichten und ist in der Mitte nur rund einen halben Millimeter dick) und dieses nach Stunden wieder verheilt sein KANN. Kann aber auch (wie bei mir bzw. bei Vorschädigungen) Tage bis Wochen dauern. Gefährlich wird es wenn die Bowman- bzw. Descemet-Membran (Schichten unter dem Epidel) verletzt wird.
Ganz besondere Vorsicht ist bei einer Erosion durch Oleanderblätter geboten da diese sehr giftig sind - da sollte man SOFORT zum Arzt.

Mit der Eviszeration könntest du Recht haben.

Ja das mit dem Leidensdruck ist so eine Sache. Mal ist er größer, da möchte ich am liebsten alles hinschmeißen, mal arrangiert man sich damit und schöpft Hoffnung das es auch anders ohne Schmerzen und ohne einer OP weitergeht. Derzeit hab ich zwar durch die neuerliche Verletzung wieder Schmerzen, aber die sind anders.... und vor allem absehbar. Ich denke, wenn alles gut abläuft kann ich vielleicht diese Woche sogar noch arbeiten gehen. Und mit der neuen Therapie denke ich das ich das Jahr überstehen kann. In der Zwischenzeit mache ich mir Gedanken ob ich mir Ende des Jahres noch eine Amniontransplation genehmige :lol: :lol: da die Heilungsphase erfahrungsgemäß in der kühleren Jahreszeit besser ist.

LG


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Re: Enukleation Ja / Nein ???

Beitrag von Patient81 » Mi 18. Okt 2017, 23:16

Nabend Martin,

mich würde brennend interessieren, wie du mit solchen Einschränkungen (Schmerz UND Sehproblem) überhaupt deinen Arbeitsalltag meisterst? Denn ich kann mir das nicht vorstellen, dass man lange geduldet wird, wenn man nicht immer fit ist und damit meine ich nicht die Abwesenheit, sondern die Leistungseffektivität.

Weil als ich von Schmerzen geplagt war, konnte ich nicht mal vernünftig schlafen. Natürlich musst du jetzt keine persönlichen Dinge offenbaren. Aber falls du was zu meiner Frage sagen möchtest und kannst, wäre das sehr schön, denn es interessiert mich einfach.

Schönen Gruß :)

Patient81



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Re: Enukleation Ja / Nein ???

Beitrag von Ösi » Fr 20. Okt 2017, 10:00

Servus Patient,

Naja - ganz so einfach ist es in der Tat wirklich nicht.

Das Schlafproblem kenne ich nur allzu gut. Täglich stehe ich morgens auf und fühle mich als ob mich ein Bus überfahren hätte. Dies ist angeblich auch auf die Sehschwäche und die ganzen Medikamente zurückzuführen. Da ich nur einseitig eingeschränkt bin (rechtes Auge gesund und ca.140% Sehkraft) versucht natürlich das beschädigte Auge "mitzuhalten" was natürlich nicht funktioniert und das daher sehr anstrengend ist und mit der Einnahme der ganzen Medikamente den ganzen Körper Kraft entzieht.

Zu der "Duldung" im Arbeitsalltag muss ich dir sagen braucht es drei Dinge:

- den Arbeitswillen
- das Können
und das wichtigste - einen guten verständnisvollen Chef - was aber aus Punkt 1 und 2 resultiert.

Ich sehe in meiner Einschränkung dennoch etwas positives.
Ich hatte zwar dadurch schon einige Jobs; aber genau aus dem gleichen Grund habe ich sehr viel gelernt und bin daher ein richtiges Multitalent geworden. Sicher: Es hat eine lange Zeit gedauert bis ich "standfest" wurde, aber hätte ich die Einschränkung nicht erfahren, würde ich sicherlich nicht über diese Erfahrungen verfügen die ich jetzt besitze. Und genau aus diesem Grund mache ich mir um meine Zukunft eigentlich weniger Sorgen da ich weiß was ich kann und wenn ich möchte, immer Arbeit bekommen werde. Hierbei ist es nicht ganz unerheblich wenn man ein zweites Standbein hat.
Ich habe zwei ausgelernte Berufe, war ca. 8 Jahre Berufskraftfahrer (nachdem mir aber das 3D Sehen fehlt habe ich diesen Beruf dann an den Nagel gehängt) und habe trotz Einschränkung das Handwerk der Tischlerei Autodidakt ( https://de.wikipedia.org/wiki/Autodidakt ) erworben und konnte in einer großen Montage - Möbeltischlerei (DAN - Küchen) dieses Wissen einbringen. Sicherlich gibt es Berufsgruppen in denen das Fernbleiben längerer Zeit zum Jobverlust führt, da sich es nicht jeder Dienstgeber leisten kann. In kleineren Firmen ist da das Bestehen sehr schwer.
Auch muss ich aber ehrlich gestehen, ich habe mich nicht "verkrochen" oder habe Rücksicht auf meine Einschränkung genommen. Was aber niemanden dazu ermutigen soll das selbe zu tun.
Ich sollte Staub, Zugluft vermeiden und nicht mehr als 3kg heben. Aber sind wir uns mal ehrlich: wie soll man da vorankommen.

Vom einfachen Lageristen bis nun zur Führungsposition habe ich einiges gelernt.
Deine Frage nach der Leistungseffektivität möchte ich nicht unbeantwortet lassen. Ich trenne strikt Gesundheit, Privat und Arbeitsleben. Was mir allerdings mein Körper ziemlich übel nimmt :lol: :D . Auch wenn es mir schwerfällt morgens aus dem Bett und zur Arbeit zu kommen, ich fahr in die Firma und da ist es als ob ich einen Schalter umlege. Alles außer der Arbeitspflicht ist ausgeblendet und ganz auf meinen beruflichen Tag fokussiert. Dabei versuche ich die Schmerzen und die Müdigkeit (geht aber auch nicht immer) zu ignorieren, wenn es zu viel wird verschwinde ich mal kurz und nehme Schmerzmedikamente bzw. mache ich Therapie.

Auch ein weiterer sehr wichtiger Punkt wenn nicht der wichtigste überhaupt bei der ganzen Sache ( aber das ist ein Punkt den man eigentlich auf das ganze Leben projizieren kann ) ist der Rückhalt der Familie - den leider nicht alle haben.

Eine kleine Weisheit auf den Weg:
Es ist keine Schande hinzufallen - es ist eine Schande liegenzubleiben. Es gibt immer einen Weg. Auch wenn man ihn alleine gehen muss.
Ich lebe nach dem Motto: Geht nicht - gibt es nicht.

PS: Ich hoffe ich konnte dein Interesse ein wenig mit meinen Worten befriedigen. Wenn nicht bin ich gerne bereit weitere Fragen zu beantworten.

GLG und alles Gute ;)


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Re: Enukleation Ja / Nein ???

Beitrag von Patient81 » Fr 20. Okt 2017, 20:59

@Martin

Vielen Dank für die ausführliche "Stellungnahme" :)

Immerhin kannst du einen Schalter umlegen und Schmerzen etc. ausblenden. Aber bei mir war das damals unmöglich sowas zu tun. Denn die Schmerzen waren einfach zu groß und das Auge tränte dazu auch noch.

Ach, war wirklich ne schlimme Zeit.

Ich drücke dir die Daumen, dass du es weiterhin so tapfer meistern kannst.

Schönen Gruß :) :)

Patient81



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Re: Enukleation Ja / Nein ???

Beitrag von MamaFranzi » Di 20. Feb 2018, 16:17

Hallo Ihr Lieben, der Termin für meine Tochter steht nun doch. Am 28.03 wird Ihr das Auge entfernt. Ich habe wirklich Angst und bin ziemlich überrumpelt. Die Augenklinik hat das mit der Ärztin dem Oberarzt und Chefarzt besprochen.

Sie hat ein wenig Angst aber ist schon ganz gespannt wie es danach aussieht. Ich hab aber eher Angst das sie starke Schmerzen haben wird und das sie verschreckt sein wird. Und überhaupt wie die erste Zeit wird.
OH man oh man...



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