Liebe Mitlesende,
ich hoffe, dass es ok ist, dass ich einen neuen Thread eröffnet habe, obwohl es bereits so viele Beiträge zu diesem Thema gibt. Da ich meine Erfahrungen mit möglichst vielen von Euch teilen möchte, wollte ich nicht in jedem der vorhandenen Threads antworten, zumal einige davon schon ziemlich "alt" sind.
Ich möchte gerne über meine Erfahrungen berichten und hoffe, damit vielleicht der Einen oder dem Anderen mit Beschwerden mit ihrer/seiner Prothese einen guten Tipp geben zu können.
Ich bin 56 Jahre alt. Die Enukleation meines linken Auges fand im Jahr 1987 in der Uniklinik in Münster statt. Als Kleinkind hatte ich mir – ohne Beteiligung anderer - im Alter von vier oder fünf Jahren (ich habe das leider nie genau erfahren können, ist eine eigene Geschichte wert) beim Spielen ein Messer in das Auge „gehauen“. Nach mehreren Operationen war klar, dass die Sehkraft meines Auges nicht zu retten war.
Mein blindes Auge konnte erhalten werden. Es war aber eine deutliche Narbe vom Messereintritt in der Pupille sichtbar und es stand nicht mehr „mittig“, sondern deutlich nach außen. Was mich am meisten störte war nicht der Sehkraftverlust. Damit kam ich gut klar, ich habe dadurch keine Einschränkungen in meinem Leben wahrgenommen, habe jahrelang Sport gemacht ohne Einschränkungen (Fußballtorwart, Tischtennis-Spielen etc.). Die deutliche Fehlstellung des Auges belastete mich mit zunehmendem Alter (Pubertät) jedoch enorm.
Im Jahr 1987 entzündete sich mein blindes Auge dann kurze Zeit nach einer Schiel-OP. Dieser OP sehnte ich entgegen, weil dadurch die Fehlstellung des Auges behoben werden sollte. Die Entzündung schritt dann so weit voran, dass mein damaliger Augenarzt mich in die Uniklinik Münster überwies. Dort wurde ich sofort stationär aufgenommen und die Enukleation fand umgehend statt, um mein gesundes Auge nicht zu gefährden. Kleine Anekdote am Rande: der damalige Chefarzt der Augenklinik, eine hochgeschätzte international anerkannte Koryphäe der Ophtalmologie, der bei der letzten Untersuchung vor der Operation gehetzt für gefühlt höchstens eine Minute zur Visite anwesend war, sagte nur: „raus damit“ und hetzte weiter zum nächsten Termin. Ihr könnt Euch vorstellen, dass dieser Auftritt für mich als jungen Menschen in dieser Ausnahmesituation eine Katastrophe war, den ich nie vergessen werde.
Die OP verlief komplikationslos und die Ocularisten, die ich danach für die Anfertigung meiner ersten Prothesen aufsuchte, lobten die gute Arbeit des Operateurs.
Für ca. drei Jahre nach der OP hatte ich keinerlei Beschwerden mit der Prothese. Ob ich sie gereinigt habe oder nicht, war eigentlich egal. Ich konnte sie mehrere Tage oder sogar Wochen ununterbrochen tragen. Die optische Verbesserung – durch die OP war die Fehlstellung behoben – tat meinem Selbstbewusstsein sehr gut.
Dann begannen die Beschwerden. Ich konnte mir nicht erklären, warum. Ich litt über viele Jahre über starke Sekretbildung mit den Euch bekannten extremen belastenden Folgen, die mich oft verzweifeln ließen. Ich hatte wiederholt ernsthaft überlegt, mir eine Augenklappe zu besorgen und keine Prothese mehr zu tragen, entgegen der Empfehlungen meiner Ocularisten und meiner Augenärztin. Ich habe wirklich alle, alle Tipps, die ich von meinem Ocularisten, von meiner Augenärztin und im Netz erhalten habe, ausprobiert. Nichts half.
Nach etlichen Jahren mit den oben beschriebenen Beschwerden habe ich dann eine Lösung gefunden, die für mich eine positive Wendung bedeutete, die ich nicht mehr erhofft habe und die meine Lebensqualität immens verbessert hat. Vorab möchte ich betonen, dass ich keine Werbung für das Produkt machen möchte. Meine Motivation, diesen Beitrag zu posten und mich dafür im Forum anzumelden, ist alleinig, meine positiven Erfahrungen zu teilen, verbunden mit der Hoffnung, dass jemand von Euch davon profitieren kann.
Ich trage meine Prothese Tag und Nacht. Morgens wasche ich sie mit lauwarmem Wasser gründlich ab. Danach tropfe ich zwei Tropfen Bepanthen Augentropfen mit zurückgelehntem Kopf in meine Augenhöhle. Die Tropfen lasse ich etwa 30 Sekunden „einwirken“. Dabei bewege ich mein verbliebenes Auge in alle Richtungen, damit sich die Tropfen gleichmäßig in der Augenhöhle verteilen können. Anschließend lasse ich die Tropfen mit vorgebeugtem Kopf über dem Waschbecken abtropfen. Auf die Innenseite meiner Prothese gebe ich dann noch einen Tropfen der Augentropfen, bevor ich diese wieder einsetze.
Klingt banal, mir hilft es aber enorm.
Ich würde mich sehr freuen, wenn meine Erfahrungen der Einen oder dem Anderen von Euch Linderung verschaffen könnte.
Viele Grüße,
Gerd
Beschwerden mit der Prothese. Meine Lösung.
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Gerd
- Beiträge: 2
- Registriert: Mi 19. Nov 2025, 22:30
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sth
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Re: Beschwerden mit der Prothese. Meine Lösung.
Ich finde es vorbildlich, dass Sie einen nicht lehrbuchmäßigen Weg gefunden haben. Überhaupt gibt es wenig Wissen zum Management von Komplikationen, die oft sehr individuell sind. Wenige Menschen werden dann selbständig und kreativ einen Weg für ihre ureigene Therapie wagen. Und oft in ärztlichen Standardbehandlungen festgehalten. Deshalb sind individuelle und experimentelle Wege so wichtig. Danke für die Anregung! 
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Gerd
- Beiträge: 2
- Registriert: Mi 19. Nov 2025, 22:30
Re: Beschwerden mit der Prothese. Meine Lösung.
Liebe/r sth,
vielen Dank für Deine Antwort und sorry für meine späte Reaktion.
Das individuelle Ausprobieren - über Jahre hinweg - hat mir in meinem Fall tatsächlich sehr geholfen. Ich habe die Hoffnung auf Besserung der Beschwerden - trotz häufiger tiefer Resignation - nie aufgegeben, weil mir aufgrund des persönlichen Leids auch nichts anderes übrig blieb.
Von meinen Ocularisten - weniger von meinen Augenärzten - habe ich viele gute Anregungen erhalten, die ich ausprobiert habe. Eine langfristige Besserung konnten diese aber auch nicht bewirken.
Letztendlich war es auch mehr oder weniger ein Zufall, dass ich "meine persönliche Lösung" gefunden habe. Den Zufall habe ich mir in gewisser Art und Weise durch das Ausprobieren "erarbeitet".
Ich möchte Euch deshalb ermutigen, nicht aufzugeben, Eure individuelle Lösung zu finden. Dabei kritisch zu bleiben und nicht irgendwelchen Quacksalbern auf den Leim zu gehen, die das Leid anderer für eigene Zwecke missbrauchen wollen (habe ich auch erlebt).
Viele Grüße,
Gerd
vielen Dank für Deine Antwort und sorry für meine späte Reaktion.
Das individuelle Ausprobieren - über Jahre hinweg - hat mir in meinem Fall tatsächlich sehr geholfen. Ich habe die Hoffnung auf Besserung der Beschwerden - trotz häufiger tiefer Resignation - nie aufgegeben, weil mir aufgrund des persönlichen Leids auch nichts anderes übrig blieb.
Von meinen Ocularisten - weniger von meinen Augenärzten - habe ich viele gute Anregungen erhalten, die ich ausprobiert habe. Eine langfristige Besserung konnten diese aber auch nicht bewirken.
Letztendlich war es auch mehr oder weniger ein Zufall, dass ich "meine persönliche Lösung" gefunden habe. Den Zufall habe ich mir in gewisser Art und Weise durch das Ausprobieren "erarbeitet".
Ich möchte Euch deshalb ermutigen, nicht aufzugeben, Eure individuelle Lösung zu finden. Dabei kritisch zu bleiben und nicht irgendwelchen Quacksalbern auf den Leim zu gehen, die das Leid anderer für eigene Zwecke missbrauchen wollen (habe ich auch erlebt).
Viele Grüße,
Gerd
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suennefrau
- Beiträge: 113
- Registriert: Di 30. Apr 2024, 21:09
Re: Beschwerden mit der Prothese. Meine Lösung.
Danke für diesen schön geschriebenen Zuspruch!!!
L. G.
Ilona
L. G.
Ilona
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Deti
- Beiträge: 1
- Registriert: Do 26. Feb 2026, 08:54
Re: Beschwerden mit der Prothese. Meine Lösung.
Hallo zusammen.
Ich bin seit August letzten Jahres Träger einer Prothese. Da sich ja anfänglich die Augenhöhle noch verändert, habe ich bis Dezember 4 neue Prothesen bekommen. Teilweise aber auch weil nicht funktional (Passform, Beschädigung) oder auch die Farbe nicht passte. Kann bei der aufwendigen Handwerkskunst alles passieren. Ich habe allerdings trotzdem Anfang des Jahres den Ogularisten gewechselt. Meine neue Prothese ( Nr. 5) habe ich zwei Tage versucht zu tragen und musste sie dann leider rausnehmen und für überhaupt nicht machbar reklamieren. Ich hatte permanent Fremdkörper Gefühle am Ober- und Unterlied und musste mind. Alle 10 Minuten Tropfen oder mit Wasser spülen um es zu ertragen und ständig rausnehmen. Die Prothese vorher war nicht optimal aber nicht so schlimm. Nach vier Wochen habe ich dann wieder eine neue bekommen. Diese machte auf Anhieb einen guten Eindruck. Kein Druck, keine Reizung und farblich top. Aber wie auch bei allen Prothesen zuvor kommt ab dem Abend oder dem nächsten Tag die Reizung der Lieder wieder. Mit Tropfen kann ich zwar lindern aber dann geht es wieder los: die Tropfen trocknen ein, die Wimpern verkrusten oder auf der Prothese im Bereich des Liedschlusses bildet sich eine Kruste. Dann entweder mit speziellen Feuchttüchern reinigen oder die Prothese rausnehmen, reinigen und wieder einsetzen und wieder Tropfen. Dann das ganze Spiel wieder von vorne. Irgendwann sind dann die Augenlieder total gereizt und die Häufigkeit des Tropfens nimmt zu. Ich bin mir nicht sicher ob die Form, die Größe oder die Wölbung Ursache ist oder ob meine Augenlieder, die Talg- oder Tränendrüsen das Problem sind. Die Schleimhäute sind soweit in Ordnung, die Prothese stört nicht und bewegt sich gut mit. Also neben dem bei mir leider optischen Problem der eingefallen Augenhöhle und des dadurch weit innenliegendem Oberliedes ist das Fremdkörper Gefühl und die damit verbundene Tropferei, Salberei und Verklebung/Verkrustung mein größtes Problem.
Evtl. kann ich hier im Forum von Erfahrungen andere profitieren und eine Besserung erreichen bevor ich mich mit der unzufriedenen Situation versuche abzufinden.
Danke für mögliche produktive Rückmeldungen.
Viele Grüße und: Schöne Augenblicke.
Ich bin seit August letzten Jahres Träger einer Prothese. Da sich ja anfänglich die Augenhöhle noch verändert, habe ich bis Dezember 4 neue Prothesen bekommen. Teilweise aber auch weil nicht funktional (Passform, Beschädigung) oder auch die Farbe nicht passte. Kann bei der aufwendigen Handwerkskunst alles passieren. Ich habe allerdings trotzdem Anfang des Jahres den Ogularisten gewechselt. Meine neue Prothese ( Nr. 5) habe ich zwei Tage versucht zu tragen und musste sie dann leider rausnehmen und für überhaupt nicht machbar reklamieren. Ich hatte permanent Fremdkörper Gefühle am Ober- und Unterlied und musste mind. Alle 10 Minuten Tropfen oder mit Wasser spülen um es zu ertragen und ständig rausnehmen. Die Prothese vorher war nicht optimal aber nicht so schlimm. Nach vier Wochen habe ich dann wieder eine neue bekommen. Diese machte auf Anhieb einen guten Eindruck. Kein Druck, keine Reizung und farblich top. Aber wie auch bei allen Prothesen zuvor kommt ab dem Abend oder dem nächsten Tag die Reizung der Lieder wieder. Mit Tropfen kann ich zwar lindern aber dann geht es wieder los: die Tropfen trocknen ein, die Wimpern verkrusten oder auf der Prothese im Bereich des Liedschlusses bildet sich eine Kruste. Dann entweder mit speziellen Feuchttüchern reinigen oder die Prothese rausnehmen, reinigen und wieder einsetzen und wieder Tropfen. Dann das ganze Spiel wieder von vorne. Irgendwann sind dann die Augenlieder total gereizt und die Häufigkeit des Tropfens nimmt zu. Ich bin mir nicht sicher ob die Form, die Größe oder die Wölbung Ursache ist oder ob meine Augenlieder, die Talg- oder Tränendrüsen das Problem sind. Die Schleimhäute sind soweit in Ordnung, die Prothese stört nicht und bewegt sich gut mit. Also neben dem bei mir leider optischen Problem der eingefallen Augenhöhle und des dadurch weit innenliegendem Oberliedes ist das Fremdkörper Gefühl und die damit verbundene Tropferei, Salberei und Verklebung/Verkrustung mein größtes Problem.
Evtl. kann ich hier im Forum von Erfahrungen andere profitieren und eine Besserung erreichen bevor ich mich mit der unzufriedenen Situation versuche abzufinden.
Danke für mögliche produktive Rückmeldungen.
Viele Grüße und: Schöne Augenblicke.
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suennefrau
- Beiträge: 113
- Registriert: Di 30. Apr 2024, 21:09
Re: Beschwerden mit der Prothese. Meine Lösung.
Auch ich möchte Euch für die tollen Beiträge danken, man lernt doch nie aus.
L. G.
Ilona
L. G.
Ilona